ETF Ratgeber

Das neue Altersvorsorgedepot kommt! 480€ geschenkt + Steuerfreiheit bis zur Rente – Wo ist der Haken

Zu Beginn des Jahres 2026 wurde im Bundestag ein neuer Gesetzentwurf diskutiert, der ein Altersvorsorgedepot als Teile der privaten Altersvorsorge einführt. Dieses soll ab Januar 2027 starten und den Bürgerinnen und Bürgern eine moderne, steuerlich geförderte Altersvorsorge bieten, ohne den veralteten Versicherungsmantel, den viele von Riester & Co kennen.

Kurz gesagt: es soll ein steuerlich begünstigtes Depot werden, in das man einzahlt, und in dem man hauptsächlich Fonds und ETFs anlegen kann. Die Erträge sind während der Ansparphase steuerfrei, und besteuert wird erst bei der Entnahme im Rentenalter.

Die Idee: Private Altersvorsorge über Kapitalmarktinvestments, mit staatlicher Förderung und mehr Flexibilität als bisherige Modelle.

Für alle, die lieber hören, als lesen, der Podcast zum Beitrag in voller Länge:

Alles zum Thema Altersvorsorgedepot auf einen Blick

Warum dieses Altersvorsorgedepot?

Ein zentraler Punkt im Gesetzesentwurf ist, dass dieses neue Altersvorsorgedepot nicht in Form einer Versicherung angeboten wird, also kein komplizierter Vertrag mit langen Bindungszeiten und hohen Kosten. Stattdessen soll es ein Depot sein, wie man es vom klassischen Wertpapierhandel kennt, nur mit:

  • Steuerfreiheit in der Ansparphase
  • Flexibler Produktauswahl (voraussichtlich ETFs und Fonds)
  • Eigenverantwortlicher Auswahl und Nutzung

Die Idee: Bürger sollen selbst entscheiden können, wie sie sparen wollen, ohne starre Garantien oder Zwangslogiken.

Ein Blick ins Ausland: Inspiration & Kritik

Im Gespräch wurde mehrfach darauf hingewiesen, wie andere Länder Altersvorsorge gestalten:

  • Schweden hat ein staatliches Modell mit Prämienrente, großer ETF-Auswahl und sehr niedrigen Kosten durch staatliche Verwaltung.
  • USA nutzt steuerlichen Aufschub mit Beteiligung am Kapitalmarkt, aber mit hoher Eigenverantwortung.
  • UK hat eine automatische Teilnahme mit Opt-Out, was verhaltensökonomisch clever ist, aber weniger frei.

Die Kritik war, dass Deutschland versucht, von allen Modellen etwas zu übernehmen, aber es ist kein klares Leitbild zu erkennen. Gleichzeitig steigt die Gefahr, dass am Ende zu viele Regulierungen und Vorgaben dazu führen, dass die Vorteile verloren gehen.

Produkte im Altersvorsorgedepot – Was ist möglich?

Das Gesetz soll es ermöglichen, dass Sparer vor allem in ETF und Fonds investieren dürfen. Einzelaktien werden wahrscheinlich nicht gefördert, was manche kritisieren, andere aber als Vorteil sehen, weil breite Streuung meist sicherer für die Altersvorsorge ist.

Warum das wichtig ist: ETFs und Fonds sind oft kostengünstiger und weniger fehleranfällig als einzelne Aktien, besonders für langfristiges Sparen.

Ein großer Pluspunkt: Innerhalb des Altersvorsorgedepots fällt keine jährliche Vorabpauschale für Gewinne an. Das bedeutet, du kannst im Depot frei umschichten oder Gewinne „liegen lassen“, ohne jedes Jahr Steuern zahlen zu müssen, erst bei der Entnahme.

Kosten und Garantien – Wo liegen die Risiken?

Kostenobergrenze

Im Entwurf gibt es eine Kostendeckelung, angeblich bei etwa 1,5 % jährlich. Das klingt erst einmal fair, aber:

  • Viele ETF-Produkte liegen deutlich darunter (0,2–0,5 %)
  • Hohe Kosten schmälern die Rendite deutlich
  • Wenn Berater beteiligt sind, muss über Provisionen oft wieder mehr verdient werden

Ein kleines Beispiel:

Wenn ein Berufseinsteiger 35 Jahre lang monatlich 500 € spart:

  • Bei 6 % Rendite ohne hohe Kosten: ~690.000 €
  • Bei 4,5 % Rendite durch höhere Kosten: ~500.000 €

Das sind über 190.000 € Unterschied, nur wegen Kosten!

Fazit: Kosten sind einer der wichtigsten Faktoren und ein hoher Deckel kann am Ende weniger Wert für den Sparer bedeuten.

Garantien und Rendite

Der Gesetzentwurf enthält auch Hinweise auf 80 % oder 100 % Beitragsgarantien, was viele als problematisch sehen, weil Garantien Rendite kosten, vor allem bei langfristigen Kapitalmarktanlagen.

Wer profitiert und wer weniger?

Geeignet für:

  • Junge Anleger mit langem Anlagehorizont
  • Menschen, die regelmäßig sparen wollen
  • Personen, die den Kapitalmarkt nutzen möchten, aber steuerlich begünstigt

Weniger sinnvoll für:

  • Personen kurz vor der Rente
  • Menschen mit geringer Liquidität oder unsicherem Einkommen
  • Sparer, die sofort hohe Auszahlungen brauchen

Das Altersvorsorgedepot ist eher ein langfristiges Werkzeug, nicht eine kurzfristige Lösung.

Auszahlphase: Flexibilität vs. Rentenzwang

Ein wichtiger Punkt ist, wie man das Geld später erhält:

  1. Auszahlplan (bis 85)

Du kannst dir das Geld über z. B. 15–20 Jahre auszahlen lassen.

Vorteil:

  • Flexibel
  • Restkapital kann vererbt werden
  • Besteuerung gestreckt
  1. Lebenslange Rente über Versicherung

Du kannst auch eine Sofortrente abschließen, also dein Depot in eine Versicherung überführen und lebenslang monatlich auszahlen lassen.

Nachteile:

Staatliche Förderung: Wie viel gibt es wirklich?

Der Entwurf sieht eine Förderung ähnlich wie bei Riester vor:

Maximal 1.800 € Eigenbeitrag pro Jahr

30 % Förderung auf die ersten 1.200 €
20 % auf die restlichen 600 €

➡️ Max. 480 € Förderung pro Jahr, wenn du den vollen Betrag einzahlst.

Zusätzlich gibt es Kinderzulagen (300 € pro Kind) und die Möglichkeit, Riester-Verträge in das Altersvorsorgedepot zu übertragen, ohne Förderung zu verlieren.

Es ist keine Obergrenze für Einzahlungen ins Depot selbst vorgesehen,nur für die Förderung.

Fazit die wichtigsten Erkenntnisse zum Altersdepot

Das neue Altersvorsorgedepot ist ein großer Schritt in Richtung moderne, kapitalmarktbasierte Altersvorsorge in Deutschland. Es bietet:

✔️ Steuerfreiheit in der Ansparphase
✔️ Flexible Produktauswahl (ETFs & Fonds)
✔️ Staatliche Förderung
✔️ Mehr Freiheit und Verantwortung für Sparer
✔️ Flexiblere Auszahlmodelle als Riester

Aber es hat auch Herausforderungen:

❌ Kosten bei 1,5 % können Rendite drücken
❌ Garantien können teuer sein
❌ Eigenverantwortung wird vorausgesetzt
❌ Unklarheiten im Gesetzesentwurf bis zur finalen Version

Kurz: ein großer Fortschritt, aber die Umsetzung entscheidet, ob es ein echter Gamechanger wird.

Checkliste: Was man beachten muss

✅ Depot eröffnen ab 2027
✅ Verstehe die steuerlichen Vorteile
✅ Achte auf geringe Kosten (< 0,5 % besser)
✅ ETFs & Fonds bevorzugen
✅ Garantien kritisch hinterfragen
✅ Nutze den Auszahlplan statt Sofortrente
✅ Voll ausnutzen der staatlichen Förderung (480 € p.a.)
✅ Kinderzulagen beachten
✅ Riester-Verträge ggf. übertragen statt kündigen
✅ Langfristig und diszipliniert sparen

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Klaus Rombach Finanzberater

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