Die Frage, wie man sein Geld am besten investiert, beschäftigt Anleger seit Jahrzehnten. Soll man gezielt Einzelaktien auswählen, um den Markt zu schlagen? Oder ist es sinnvoller, einfach den gesamten Markt über ETFs abzubilden?
In der Finanzwelt wird dieses Thema häufig als aktives vs. passives Investieren diskutiert. Beide Ansätze haben ihre Befürworter, doch was sagt die Wissenschaft? Und warum entscheiden sich immer mehr Anleger für einen passiven Ansatz?
In diesem Beitrag schauen wir uns die Unterschiede an, beleuchten Studien und erklären, warum viele Investoren trotz aller Fakten weiterhin aktiv investieren.
Für alle, die lieber hören, statt lesen; der Podcast zum Beitrag kostenfrei und in voller Länge:
Häufige Fragen zum Thema aktives vs. passives Investieren
Was ist aktives und passives Investieren?
Bevor wir tiefer einsteigen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die grundlegenden Unterschiede.
Aktives Investieren
Beim aktiven Investieren versucht ein Anleger oder Fondsmanager, den Markt zu schlagen. Das geschieht in der Regel durch zwei Strategien:
- Stock Picking – gezielte Auswahl einzelner Aktien
- Market Timing – versuchen, den besten Zeitpunkt zum Kaufen oder Verkaufen zu finden
Die Idee dahinter: Durch Analyse, Erfahrung oder besondere Informationen sollen bessere Entscheidungen getroffen werden als der Durchschnitt des Marktes.
Viele Anleger verfolgen diesen Ansatz intuitiv. Wer beispielsweise glaubt, dass ein bestimmtes Unternehmen in Zukunft besonders stark wachsen wird, kauft gezielt diese Aktie und handelt damit automatisch aktiv.
Passives Investieren
Beim passiven Investieren verfolgt man einen komplett anderen Ansatz. Hier wird nicht versucht, den Markt zu schlagen. Stattdessen lautet das Ziel: Die Rendite des gesamten Marktes möglichst kostengünstig zu erreichen.
Das geschieht meist über:
- ETFs (Exchange Traded Funds)
- Indexfonds
Diese Produkte bilden einen Marktindex nach, etwa einen Weltaktienindex oder einen regionalen Aktienmarkt.
Die Strategie dahinter lautet: prognosefrei investieren. Das bedeutet:
- Keine Vorhersagen über einzelne Aktien
- Nicht versuchen, den perfekten Zeitpunkt zu finden
- Stattdessen langfristig investieren und breit streuen
Warum die meisten Anleger aktiv investieren
Trotz aller Argumente für ETFs investieren weltweit immer noch 80–90 % der Anleger aktiv. Der Grund ist relativ einfach: Aktives Investieren lässt sich leichter verkaufen.
Wenn ein Fondsmanager präsentiert wird, entsteht schnell das Gefühl:
„Hier kümmert sich jemand um mein Geld“ und „Er wählt nur die besten Aktien aus“.
Diese Story ist für viele Anleger psychologisch überzeugender als der nüchterne Ansatz eines ETFs.
Ein weiterer Faktor ist mangelndes Finanzwissen. Viele Anleger haben zwar Kapital, aber wenig Erfahrung mit Finanzmärkten. Dadurch sind sie anfälliger für Marketingversprechen.
Die Mathematik hinter den Märkten
Ein entscheidendes Argument gegen aktives Investieren stammt aus der Kapitalmarkt-forschung.
Der Nobelpreisträger William F. Sharpe formulierte eine einfache, aber sehr wichtige Erkenntnis:
Vor Kosten entspricht die durchschnittliche Rendite aller aktiven Investoren exakt der Marktrendite.
Warum? Weil der Markt nichts anderes ist als die Summe aller Entscheidungen aller Anleger.
Einige Investoren schlagen den Markt. Andere bleiben darunter. Im Durchschnitt ergibt sich wieder die Marktrendite.
Doch jetzt kommt der entscheidende Punkt: Nach Kosten liegt die durchschnittliche Rendite aktiver Investoren unter der Marktrendite.
Denn aktive Strategien verursachen:
- Verwaltungsgebühren
- Transaktionskosten
- Performancegebühren
- Steuerliche Effekte
Diese Kosten müssen erst einmal wieder verdient werden.
Studien zeigen ein klares Bild
Ein Beispiel: Untersuchungen zeigen, dass über längere Zeiträume nur ein sehr kleiner Anteil aktiver Fonds besser abschneidet als der Markt.
Typische Ergebnisse sehen so aus:
- Nach 1 Jahr schlagen rund 18 % der Fonds den Markt
- Nach 5 Jahren sind es nur noch etwa 3 %
- Nach 10 Jahren bleiben teilweise nur noch 2 %
Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, den richtigen Fonds langfristig auszuwählen, ist extrem gering. Noch problematischer ist ein weiterer wissenschaftlicher Befund:
Vergangene Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Performance. Selbst Fonds, die in der Vergangenheit besonders gut waren, können ihre Überrendite oft nicht dauerhaft wiederholen.
Warum aktive Strategien häufig scheitern
Es gibt mehrere Gründe, warum aktive Investoren langfristig häufig hinter dem Markt zurückbleiben.
- Hohe Kosten
Viele aktiv gemanagte Fonds haben jährliche Kosten von 1,5 % bis 2,5 % oder mehr.
Das klingt zunächst wenig, aber über Jahrzehnte wirkt sich dieser Unterschied enorm aus. Kosten reduzieren den Zinseszinseffekt, der langfristig der wichtigste Renditetreiber ist.
- Falsches Timing
Viele Anleger versuchen beim Tiefpunkt zu kaufen und beim Höchststand zu verkaufen.
In der Realität passiert meist das Gegenteil: Einstieg nach starken Kursanstiegen und Verkauf während einer Krise. Dieses Verhalten führt häufig zu schlechteren Ergebnissen.
- Emotionale Entscheidungen
Der Mensch ist kein perfekt rationaler Investor.
Typische psychologische Effekte sind:
- Fear of Missing Out (FOMO)
- Home Bias – Übergewichtung des Heimatmarktes
- Panikverkäufe in Krisen
Diese Faktoren führen dazu, dass viele Anleger zu häufig handeln, was wiederum Kosten verursacht.
Der Sonderfall: Erfolgreiche Investoren
Natürlich gibt es Ausnahmen. Der wohl bekannteste Investor ist Warren Buffett. Er hat über Jahrzehnte hinweg eine außergewöhnliche Rendite erzielt.
Sein Ansatz:
- Investieren in starke Marken
- Unternehmen mit hoher Kapitalrendite
- Geschäftsmodelle mit stabilen Cashflows
Beispiele für Unternehmen aus seinem Portfolio sind:
- Apple
- Coca-Cola
- American Express
Interessanterweise empfiehlt Buffett den meisten Anlegern trotzdem etwas anderes. Er sagt:
Die meisten Menschen sollten ihr Geld einfach in einen breit gestreuten Indexfonds investieren.
Seine Begründung: Die Wahrscheinlichkeit, den Markt dauerhaft zu schlagen, ist extrem gering.
Die berühmte Wette gegen Hedgefonds
Wie überzeugt Buffett von Indexfonds ist, zeigte eine berühmte Wette.
2007 wettete er gegen eine Auswahl teurer Hedgefonds, dass ein einfacher Indexfonds über zehn Jahre besser abschneiden würde.
Das Ergebnis nach zehn Jahren:
- Indexfonds: deutlich höhere Rendite
- Hedgefonds: klar unterlegen
Buffett gewann die Wette und spendete den Gewinn für wohltätige Zwecke.
Diese Episode wurde zu einem der bekanntesten Beispiele dafür, wie schwierig aktives Investieren tatsächlich ist.
Ein möglicher Kompromiss: Die Core-Satellite-Strategie
Trotz aller Argumente für passives Investieren möchten viele Anleger nicht komplett auf aktive Entscheidungen verzichten.
Hier kommt die sogenannte Core-Satellite-Strategie ins Spiel.
Der Core (Kern) = Der Großteil des Portfolios besteht aus:
- breit gestreuten ETFs
- globaler Diversifikation
- langfristigem Buy-and-Hold
Typischer Anteil: 70–90 % des Portfolios. Dieser Kern sorgt für stabile Marktrenditen.
Die Satelliten
Der kleinere Teil des Portfolios dient als Spielraum für eigene Ideen. Beispiele:
- Einzelaktien
- Themen-ETFs
- Brancheninvestments
- aktiv gemanagte Fonds
Typischer Anteil: 10–30 %. So kann man eigene Überzeugungen umsetzen, ohne das gesamte Portfolio zu riskieren.
Fazit: Warum passives Investieren für viele sinnvoll ist
Die wissenschaftliche Forschung zeigt ein relativ klares Bild.
Der Markt ist sehr effizient. Nur wenige Investoren schlagen ihn dauerhaft. Kosten und Emotionen führen oft zu schlechteren Ergebnissen.
Deshalb entscheiden sich immer mehr Anleger für einen einfachen, kostengünstigen ETF-Ansatz. Das bedeutet nicht, dass aktives Investieren unmöglich ist. Aber es ist deutlich schwieriger, als viele glauben.
Für die meisten Menschen ist daher ein breit gestreutes, passives Portfolio die wahrscheinlichste Strategie, um langfristig Vermögen aufzubauen.
Checkliste: Darauf solltest du beim Investieren achten
✅ Breite Diversifikation
Investiere möglichst global und vermeide Klumpenrisiken.
✅ Kosten niedrig halten
Gebühren sind einer der wichtigsten Faktoren für langfristige Rendite.
✅ Langfristig denken
Aktienmärkte entwickeln sich über Jahrzehnte, nicht über Monate.
✅ Emotionen kontrollieren
Panikverkäufe und kurzfristige Trends sind häufig teuer.
✅ Regelmäßig investieren
Ein Sparplan kann helfen, Marktschwankungen auszugleichen.
✅ Realistische Erwartungen haben
Die Marktrendite zu erreichen ist bereits ein gutes Ergebnis.
✅ Aktive Experimente begrenzen
Wenn du Einzelaktien kaufen möchtest, halte diesen Anteil klein.
✅ Disziplin bewahren
Langfristiger Erfolg entsteht oft durch Geduld, nicht durch ständiges Handeln.





