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Freiburg

Bilanz zu Aktien und Anleihen im ersten Halbjahr 2022

Was liegt hinter uns? Auf jeden Fall eine turbulente erste Jahreshälfte.
Krieg, Inflation, steigende Zinsen und Rezessionsängste haben zu extrem schwachen Kapitalmärkten geführt. Die erste Jahreshälfte war für Anleger rund um den Globus kein Zuckerschlecken. Das ist eines der schlechtesten Quartale in der nach Kriegsgeschichte. Nur minimal weniger schlecht als im ersten Quartal 2020 im Pandemie Crash. Doch was bedeutet die Veränderung im Aktien – und Anleihenmarkt für Anleger?

Für alle, die lieber schauen, als lesen, hier das entsprechende Video zum Beitrag:


Der globale Aktienindex MSCI World verloren im vergangenen Quartal 16,1 % . Dank starkem US-Dollars reduziert sich in Euro gerechnet auf mindestens 10,8 %.

Bemerkenswert war die gleichzeitige Schwäche am Anleihenmarkt, hervorgerufen durch den starken Anstieg der Zinsen beziehungsweise der Rendite. Damit boten Staatsanleihen anders als früher keinen Puffer gegen Verluste bei Aktien, sondern verloren ebenfalls an Wert. Gemessen am Bloomberg Euro Gouvernement Index lag das Minus bei 7,2 % . Für ein ausgewogenes Indexportfolio, das zu jeweils 50 % aus Aktien und Anleihen besteht. Bedeutet dies ein Quartalsverlust von circa 9 %.

Die Entwicklung der Aktien

Kommen wir zunächst zu den Aktien. Hier fand eine Korrektur an den Märkten statt. Der US-Aktienmarkt erreichte im Juni ein Minus von 23,6 % gegenüber seinem Höchststand, womit die Korrektur offiziell als Bärenmarkt bezeichnet werden kann. Zwei schwache Quartale in Folge bedeuten ein frustrierendes erstes Halbjahr.

Am europäischen Aktienmarkt verbuchten Anleger gemessen am MSCI Europe einen Rückgang von -20,38 %. Für den MSCI World Index ein Minus von rund 20%.

Den Schwersten ist der ersten Jahreshälfte in seiner Geschichte, wobei der Verlust in Euro gerechnet aufgrund des starken Dollars in Anführungszeichen nur 13,5 % betrug.

Schwellenländer entwickelten sich ebenfalls negativ und verbuchte einen Verlust von -17,47 %. Im Vergleich dazu verbuchten Anleger mit ihrem Engagement in der Pazifikregion mit -10,81 % die geringsten Verluste. In Euro gerechnet sogar nur 3 % Verlust.

Welche Aktienmärkte haben am schlechtesten abgeschnitten und welche am besten?

Sehen wir auf der folgenden Top versus Flop Grafik.

Auszug aus meinem YouTube-Video „Bilanz zum ersten Halbjahr 2022“ Aktien

Wenn wir uns die Top-Länder anschauen, sehen wir, dass Saudi Arabien, Brasilien, Indonesien, Türkei und Australien, die Plätze 1 – 5 unter sich ausmachen, mit einem Plus von 21,77 % in der Spitze und Australien auf Platz 5 mit 4,66 %.

Deutlich größer fallen die Verluste aus, wenn wir uns die Flopaktien-Länder anschauen. Polen, Pakistan, Schweden, Vietnam und Österreich mit -25,93 % war hier der größte Einbruch bezogen auf die einzelnen Länder.

Entwicklung von Anleihen

Die Notenbank verursachen historische Kursverluste, könnte die Überschrift lauten. Während dem Rückschlag an den Anleihenmärkten große Aufmerksamkeit zugeteilwurde, verlief der Crash am Anleihenmarkt fast im Verborgenen.
Die US-Notenbank Federal Reserve Fed hat den Leitzins mit zunehmendem Tempo weiter erhöht.
Im Juli, um 0,75 % in eine Bandbreite von 1,5 – 1,75 % der größte Zinsschritt seit 1994. Das hat auch die Renditen von Staatsanleihen weiter in die Höhe getrieben. Bei zehnjährigen Bundesanleihen, zeitweilig auf 1,8 % bei US-Staatsanleihen, auf 3,5 % und bei italienischen Staatsanleihen kurzfristig sogar auf mehr als 4 %, bevor es zum Quartalsende zu einer Erholung der Kurse kam.

Von Dezember 2021 bis Mitte Juni 2022 verloren Euroanleihen guter Bonität rund 16 % an Wert. Ein solches Minus hatte es in der Geschichte des Euro und der D-Mark noch nie gegeben. Früher konnten Kursverluste bei Anleihen zumindest teilweise durch Zinserträge kompensiert werden.

Rohstoffe und Gold sind die einzigen Gewinner

Rohstoffe gelten nach wie vor als knapp und sind gesucht, vor allem bei Öl und Gas sind die Preise durch die Decke gegangen und haben den gesamten Rohstoffmarkt nach oben mitgerissen.

So legte der breite Rohstoffindex Bloomberg Commodity im ersten Halbjahr über 30 Prozent zu und ließ alle anderen Anlageklassen weit hinter sich. Gold war im zweiten Quartal kein Inflationsgewinner. Der Goldpreis gab die Gewinne der ersten Monate wieder vollständig ab und schloss das erste Halbjahr mit 1807 US-Dollar je Feinunze. In Euro gerechnet sind die Bilanzen am Halbjahres entstanden von 1724 € beziehungsweise einem Plus von über 8v% seit Jahresanfang. Erfreulich aus.

Aufsteigende Unsicherheit

Auszug aus meinem YouTube-Video „Bilanz zum ersten Halbjahr 2022“ Rohstoffe & Gold

Gewinne nach Marktanteilen können erfolgsentscheidend sein und plötzlichen Kurseinbrüchen können Anleger nervös machen.
Der US-Aktienmarkt konnte sich jedoch historisch gesehen in den meisten Fällen relativ schnell von Verlusten erholt. Wie im Blick auf ein diversifiziertes US-Markt mit Daten seit 1926 zeigt, konnten Anleger mit US-Aktien in den 12, 36 und 60 Monate nach größeren Kursverlusten meist positive Renditen erzielen. Die kumulierten Renditen zeigen diesen Trend in eindrucksvoller Weise, wie folgende Grafik zu sehen ist.

Auszug aus meinem YouTube-Video „Bilanz zum ersten Halbjahr 2022“ Gewinne nach Markteinbrüchen

Disziplin als Erfolgsfaktor

Nach einem Kursrückgang von 10 % legten Aktien innerhalb von 12 Monaten im Durchschnitt um 12,5 % zu. Nach Rückgängen von 20 beziehungsweise 30 % überstieg die kumulierte Rendite innerhalb eines Jahres die Marke von 20 %.

Innerhalb von 3 Jahren nach einem Rückgang von 10 % beziehungsweise 20 % waren Aktien im Durchschnitt eine Rendite von über 30 %. Nach einem Rückgang von 30 % waren wir anschließend Gewinne innerhalb von 3 Jahren immer noch positiv, wenn auch nicht mehr ganz so beeindruckend.

Nach 5 Jahren nach Kursrückgängen von 10, 20 – 30% lagen die durchschnittlichen kumulierten Renditen in jedem Fall über der 50-Prozent-Marke.

Nur die Daten sprechen also für Disziplin?

Eine deutliche Erholung nach einem Kurseinbruch kann den Anlegern helfen, das langfristige Potenzial der Märkte auszuschöpfen. Und Unsicherheit ist ein fester Bestandteil eines Anlegers, während Aktien orientierte Anleger, die gelernt haben, Kursschwankungen auszuhalten, mit den Entwicklungen im ersten Halbjahr umgehen können, sind ähnlich hohe Verluste für defensive Investoren eher überraschend und schwer zu verdauen.
Wer ist dein Vermögen aber langfristig erhalten möchte, sollte aber langfristig denken Aktien.
Aktien haben im ersten Halbjahr deutliche Kursverluste verzeichnet, obwohl die Gewinnperspektiven wachstumsstarker residenter Unternehmen weiterhin gut sind.

Fazit

Das Chancen-Risikoverhältnis von Aktien hat sich verbessert. Daran würde auch eine mögliche Konjunkturabkühlung nichts ändern. Dagegen, dient Gold eher dem Vermögenserhalten und bietet eine zusätzliche Versicherung für den Fall, dass die Notenbanken die Inflation nicht unter Kontrolle bekommen können. Nun Anleihen bieten, einen unzureichenden Inflationsschutz, solange die Renditen unter der langfristig zu erwartenden Inflation liegen. Bei Unternehmensanleihen und mittlerer Bonität gibt es aber erstmals seit Langem wieder Renditen, die sogar ausreichen könnte, um die Inflation zu schlagen.

Unsicherheit ist ein fester Bestandteil jedes Anlegers, volatile Phasen wie derzeitige können zwar schwierig sein, wer jedoch Unsicherheit akzeptiert, kann langfristig profitieren, wer dagegen auf fallende Kurse reagiert, setzt die Fortschritte bei der Umsetzung der eigenen Finanzziele aufspielen. Jetzt sind wir gespannt, was das zweite Halbjahr an den Kapitalmärkten beschert.

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