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Die unsicheren Zeiten der Rezession

„Rezession ist eine Zeit, in der wir auf Dinge verzichten müssen, die unsere Großeltern nicht einmal kannten.“
– Financial Times

Mit dem größten Zinsschritt seit fast 30 Jahren will die US-Notenbank die steigende Inflation bekämpfen. Auch die europäische Zentralbank wird folgen und versuchen durch Erhöhung des Leitzinses die Inflation einzudämmen. 

Neulich fragte mich einer unserer Anleger, warum die Zentralbanken das tun und welche Auswirkung das Ganze hat?

Einfach gesagt: Wenn die Zinssätze steigen, leihen sich Bürgerinnen Bürger sowie die Wirtschaft weniger Geld oder müssen für Kredite mehr ausgeben. Folglich nimmt das Wachstum ab, Unternehmen können höhere Preise nicht mehr einfach weitergeben. 

Der Konjunkturzyklus

Das alles hat direkte Auswirkungen auf den Alltag der Menschen – etwa bei Kreditkartenrechnungen, Krediten und Hypotheken. Ziel ist es, die Nachfrage im Laufe der Zeit zu senken, damit die Preise sinken und sich stabilisieren können. Die Folge: Die Inflation sinkt. 
Wird das Wachstum aber zu schnell ausgebremst, kann das zu einer Rezession führen. Eine Rezession ist ein allgemeiner wirtschaftlicher Abschwung. 

Die Ausgangsbasis bildet die Konjunktur. Mit dem Begriff Konjunktur werden die Schwankungen bei der Produktion einer Volkswirtschaft bezeichnet. Diese haben unter anderem einen großen Einfluss auf Preise, Zinsen und Beschäftigung. Wellenförmige Veränderungen bei der Konjunktur sind dabei die Regel, wie wir in der folgenden Graphik entnehmen können.

Die Dauer der einzelnen Konjunkturzyklen ist unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abhängig. Zudem gibt es mehrere Theorien, mit unterschiedlichen Definitionen. Das bekannteste Modell beruht auf den Konjunkturzyklen Aufschwung, Boom, Rezession und Depression

Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession wird zunehmen höher und deshalb widmen wir uns dieser Konjunkturphase heute etwas ausführlicher. 

Was bedeutet Rezession?

Kommt es in einer Volkswirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zu keinem Wachstum oder sogar zu einem Rückgang spricht man von einer Rezession. 

Während einer Rezession geht die Nachfrage zurück, was zu überfüllten Lagern führt. Aufgrund sinkender Produktionen werden zunächst Überstunden abgebaut und es kommt zu Kurzarbeit. Die Investitionen gehen zurück, gleichzeitig stagnieren Preise, Löhne und Zinsen. An den Börsen fallen die Kurse und Produktionsanlagen werden teilweise stillgelegt. 

Am Ende der Rezession befindet sich die Wirtschaft auf dem Tiefpunkt, welcher auch als Konjunkturtief bezeichnet wird. Sofern der Tiefstand länger anhält oder es sogar noch weiter nach unten geht, handelt es sich um eine Depression. 

Eine Rezession lässt sich im Allgemeinen nicht voraussagen. Das ifo Institut, auch Institut für Wirtschaftsforschung genannt, veröffentlicht allerdings viermal im Jahr eine sogenannte Konjunkturprognose.  Auf Basis dieser Daten können zwar Vermutungen über mögliche Entwicklungen angestellt werden, dennoch ist eine klare Vorhersage nicht möglich.

Wie kommt es zu einer Rezession?

Es gibt verschiedene Theorien und Ansätze, die versuchen das Auftreten einer Rezession zu erklären. Der aktuelle Auslöser war unter anderem der plötzliche Anstieg der Ölpreise, der einen realwirtschaftlichen Schocks auslöste. Auf der anderen Seite können die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik mit einer unzureichenden Geldversorgung eine Rezession auslösen. In diesem Fall steht den Unternehmen schlichtweg nicht genug Geld zur Verfügung, um weiter zu wachsen. Die Corona-Pandemie schürte vor 2 Jahren Rezessionsängste und machte auch vor der deutschen Wirtschaft nicht Halt. Alle fürchteten, dass die Welt in eine Rezession rutscht und diese auch vor Deutschland keinen Halt macht. Trotz der negativen Folgen für die Wirtschaft blieben die Arbeitslosenquoten und die Anzahl der Entlassungen in Deutschland aber vergleichsweise niedrig, was vor allem durch den Abbau von Überstunden sowie die Anpassung von Arbeitszeiten möglich war.

Wie schlimm ist eine Rezession?

Die meisten Länder weisen über einen langen Zeitraum gesehen ein kontinuierliches moderates Wirtschaftswachstum auf. Dabei kommt es immer wieder zu konjunkturell bedingten kurzzeitigen Schwankungen in der Wirtschaftsleistung.

Dieses Phänomen lässt sich in einem Modell als Konjunkturzyklus abbilden, den wir in der obigen Graphik abgebildet haben. Je nach Definition dauert ein Zyklus zwischen drei und zehn Jahren an und besteht dabei aus vier wellenförmig auftretenden Phasen.

Neben der Rezession gibt es außerdem noch die Expansion (Aufschwung), den Boom (Hochkonjunktur) sowie die Depression (Tiefphase). Eine Rezession ist in erster Linie also Teil des natürlichen wirtschaftlichen Zyklus und deswegen nicht immer vermeidbar. Aufgrund der negativen Implikationen, die eine Rezession mit sich bringt, gilt es diese jedoch so kurz wie möglich zu halten und ökonomischen Schaden so gut wie möglich zu verhindern. Die amerikanische Zentralbank Fed ist zum Beispiel entschlossen, die Inflation zu senken, dabei aber nicht eine Rezession herbeizuführen, so Fed-Chef Powell.

So richtig gefährlich wird eine Rezession dann, wenn diese über einen langen Zeitraum besteht und eine Volkswirtschaft in eine Phase der Depression übergeht.

Charakteristisch hierfür sind zum Beispiel überfüllte Lager, Entlassungen von Arbeitnehmern oder Umstellung auf Kurzarbeit, stagnierende Preise und Löhne und sinkende Aktienkurse.

Die Folgen der Rezession abschwächen

Glücklicherweise gibt es Mittel und Wege, die Folgen einer Rezession abzuschwächen oder diese von vornherein zu verhindern.

Mithilfe von expansiven fiskalpolitischen Instrumenten wie z.B. einem Beschäftigungsprogramm oder Steuersenkungen kann die Regierung eines Landes Einfluss auf die wirtschaftliche Gesamtsituation nehmen, Konjunkturschwankungen ausgleichen und somit ein stabiles Wirtschaftswachstum gewährleisten.

Die Politik kann also versuchen, in der Krise die fehlende Wirtschaftskraft zu kompensieren und stellt dafür Unternehmen und Verbrauchern Geld zur Verfügung oder gibt gar selbst Geld aus, zum Beispiel um Straßen und Brücken zu bauen.

Natürlich verfügt auch der Staat nicht über unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten. Deswegen sind solche Konjunkturprogramme zumeist darauf ausgelegt, eine konjunkturelle Durststrecke so schnell wie möglich zu überwinden, damit die Wirtschaft langfristig wieder auf eigenen Beinen stehen kann.

Dauer der Rezession

Auch in der folgenden Graphik wird deutlich, dass Rezessionen nicht so schlimm sind, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Graphik zeigt verschiedene Rezessionen in der Geschichte, mit der Anzahl der Tage, die vom Zeitpunkt, an dem der Aktienmarkt gedreht hat, bis zu dem wirklichen Ende der Rezession, vergangen sind. Auch wenn die Anzahl der Tage teilweise sehr hoch erscheint, kann man auch sehen, dass zwischen dem absoluten Tiefpunkt bis zum Ende der Rezession eine gute Performance möglich war.

Was sind die Chancen einer Rezession?

Auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so scheint, können Rezessionen auch positive Entwicklungen in Gang setzen. 

Unternehmen sind gezwungen, bestehende Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen, überflüssige Strukturen zu hinterfragen und sich insgesamt ein Stück weit neu zu erfinden.

Arbeitgeber können die Krise somit mitunter sogar positiv für sich nutzen und eventuell sogar gestärkt daraus hervorgehen. Zudem bietet eine Krise Raum für Kreativität und neue Wertschöpfung. Nicht zuletzt sind ein paar der heute wertvollsten Unternehmen der Welt in einer Rezession entstanden (z.B. Uber, Airbnb oder gar IBM).

Wie kann ich meine Geldanlage in einer Rezession strukturieren?

Eine Rezession kann für Investoren aber auch neue Chancen und Optimierungsmöglichkeiten bieten – nämlich durch das sogenannte antizyklische Rebalancing.

Als rationale Anleger ist das Portfolio unsere Anleger in verschiedene Anlageklassen diversifiziert, um so das Risiko zu streuen. Diese Gewichtung kann sich jedoch über die Zeit verändern, sowohl in Zeiten des Aufschwungs wie auch im Abschwung.

Folgt die Börse dem gesamtwirtschaftlichen Konjunkturzyklus, gibt es Anlageklassen, die sich in den verschiedenen Phasen besser und schlechter entwickeln, wodurch sich die ursprünglich angedachte Allokation verändert.

Um die ursprüngliche Risikogewichtung wiederherzustellen, muss, entgegen dem Konjunkturzyklus, das Portfolio neu ausbalanciert werden. So wird beispielsweise eine Anlageklasse mit einer zu hohen Gewichtung im Portfolio anteilig verkauft, während andere Anlageklassen dazugekauft werden. Durch diesen Vorgang wird die ursprüngliche Gewichtung wiederhergestellt.

Systematische antizyklisches Investieren in einer Rezession

Wer in eine Rezession investieren möchte, der kann durch weitere Zukäufe geschickt seinen Einkaufskurs verbilligen, und zwar ohne dabei fixe, zeitliche Intervalle in den Fokus zu rücken. Diese Methode wird als Averaging-Down Methode bezeichnet.

Das bedeutet, wenn der Markt am Beispiel des MSCI World Index um 10 % eingebrochen ist, kauft man das erste Mal. Bei weiteren 10 % Minus erneut und wenn der Markt dann noch einmal um 10 % einbricht, ein drittes Mal. Natürlich ist das nur ein Beispiel, man kann seine Einstiegslevel natürlich selbst definieren.  Gleichzeitig ist damit zu rechnen, dass es noch einige Zeit volatil zugeht, da die Nachrichtenlage immer wieder für Verunsicherung sorgt. Genau das können wir jedoch nutzen, indem wir die Rückgänge für Nachkäufe mit Discount nutzen. Es ist eine Binsenweisheit: je kleiner der Kurs, desto größer die Anteile, die wir für unser Geld bekommen.

Chancen Nutzen

Die Inflation ist auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten, einige Analysten befürchten, dass uns eine Rezession bevorstehen könnte, und darüber hinaus finden sich noch jede Menge weiterer Punkte. Klingt doch ganz so, als könnten die Aktienkurse noch längere Zeit weiter fallen, bis die Nachrichten wieder optimistischer werden. Auf jeden Fall bleibt es an den Märkten sehr unruhig.

Für Anleger ist das aber eigentlich nur wichtig, wenn man seine Aktien-Positionen jetzt verkaufen muss, weil man das Geld dringend benötigt. Denn vor wenigen Monaten hätte man noch sehr viel mehr Geld herausholen können. Ich hoffen, Sie gehören nicht zu dieser Gruppe.

Ist man aber auf der anderen Seite der Anleger, die ihre Aktien-Positionen im ETF Depot aufstocken wollen, dann könnte es doch nichts Besseres geben, wenn Unternehmensanteile die nächste Zeit günstig zu erwerben sind.

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