Gold ist teuer, sagen die einen. Nein, sagen die anderen, nicht Gold ist teuer, sondern unser Geld ist billiger geworden. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich aktuell die Diskussion rund um Edelmetalle. Kaum ein Thema sorgt derzeit für so viel Aufmerksamkeit wie der starke Anstieg bei Gold und Silber. Viele Menschen stellen sich die Frage: Ist es jetzt zu spät einzusteigen ,oder verpasse ich gerade eine große Chance?
In den letzten Jahren haben sowohl Gold als auch Silber eine beeindruckende Wertentwicklung hingelegt. Besonders beim Silber war die Dynamik enorm. Vor etwa fünf Jahren konnte man eine Unze noch für rund 15 bis 20 Euro kaufen, inzwischen kratzt der Preis an der 100-Euro-Marke. Ein Großteil dieses Anstiegs fand sogar innerhalb der letzten zwölf Monate statt. Auch Gold zeigt spätestens seit 2021 eine klare Tendenz nach oben.
Das sorgt für Schlagzeilen und für ein Gefühl, das viele antreibt: FOMO, die „Fear of Missing Out“, also die Angst, etwas zu verpassen.
Für alle, die lieber hören, als lesen, der Podcast zum Beitrag in voller Länge:
Alles wichtige zum Thema Geldanlage auf einen Blick
Warum steigen Gold und Silber eigentlich?
Gold wird nicht teurer, weil es produktiver geworden ist. Es zahlt keine Zinsen, erwirtschaftet keine Erträge und produziert keinen Cashflow. Im Podcast wurde es treffend formuliert: „Gold bekommt keine Kinder.“
Der Preis steigt vielmehr dann, wenn Alternativen an Glaubwürdigkeit verlieren. Gold wird nicht stärker, das Vertrauen in andere Anlageformen wird schwächer. Wenn Menschen beginnen, am Geldsystem, an Notenbanken oder an politischen Strukturen zu zweifeln, suchen sie nach etwas, das als beständig gilt. Seit Jahrtausenden genießen Gold und Silber genau dieses Vertrauen.
Die Bedeutung der Realzinsen
Ein entscheidender Faktor sind die sogenannten Realzinsen. Dabei geht es nicht darum, ob auf dem Konto drei oder vier Prozent Zinsen stehen. Entscheidend ist: Was bleibt nach Inflation tatsächlich übrig?
Ist die Inflation höher als der Zinsertrag, verliert Geld real an Kaufkraft. In solchen Phasen wird Gold relativ attraktiver, nicht, weil es Rendite bringt, sondern weil es keinen direkten Kaufkraftverlust durch Inflation erleidet. Genau deshalb gewinnt es in solchen Zeiten an Bedeutung.
Staatsverschuldung, Geldmengenausweitung und Zentralbanken
Ein weiterer Treiber ist die weltweit hohe Staatsverschuldung. Viele Staaten sind so stark verschuldet, dass echte Haushaltsdisziplin politisch kaum noch durchsetzbar ist. Ein realistischer Weg, Schulden tragbar zu halten, führt häufig über Inflation und Geldmengenausweitung. Historisch betrachtet sind das Umfelder, in denen Gold seine Rolle als Gegengewicht erfüllt.
Hinzu kommt die starke Nachfrage durch Zentralbanken. Länder wie China, Russland oder die Türkei kaufen seit Jahren Gold, um unabhängiger vom US-Dollar zu werden. Gold hat einen entscheidenden Vorteil: Es hat kein politisches Gegenparteirisiko. Es gehört keinem Staat, keinem Schuldner und keinem Zahlungssystem. Diese strukturelle Nachfrage wirkt stabilisierend auf den Markt.
Geopolitische Unsicherheit als zusätzlicher Treiber zum Goldpreis
Zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft, Sanktionen, politische Spannungen und mehrere gleichzeitige Krisen verstärken das Unsicherheitsgefühl. In solchen Phasen suchen Anleger Sicherheit. Gold profitiert davon, weil es keinem System direkt zugeordnet ist.
Doch hier beginnt auch ein Missverständnis.
Ist Gold wirklich sicher?
Viele Menschen verbinden mit einem Goldbarren in der Schublade ein Gefühl von Stabilität. Man kann ihn anfassen, er liegt physisch vor einem, das vermittelt Sicherheit. Aber: Physische Existenz bedeutet nicht automatisch Wertstabilität.
Gold unterliegt starken Schwankungen. Historisch betrachtet gab es Phasen, in denen der Goldpreis massiv gefallen ist. Tatsächlich war die Schwankungsbreite teilweise sogar höher als beim internationalen Aktienmarkt. Das überrascht viele, denn Gold wird oft als „ruhiger Hafen“ wahrgenommen.
Wichtig ist zu verstehen: Auch Edelmetalle sind Sachwerte – und Sachwerte schwanken. Wer kurzfristige Stabilität sucht, findet sie eher bei Cash, auch wenn dort keine Rendite erzielt wird.
Silber ist nicht einfach der kleine Bruder
Silber wird häufig gemeinsam mit Gold genannt, funktioniert aber anders. Ein großer Teil der Nachfrage kommt aus der Industrie, etwa aus der Solar- oder Elektronikbranche. Dadurch ist Silber deutlich konjunkturabhängiger.
In wirtschaftlichen Aufschwüngen kann Silber stark steigen, in Krisen jedoch auch deutlich stärker fallen als Gold. Silber eignet sich daher eher als taktische Beimischung, während Gold strategisch zur Absicherung genutzt wird.
Ist Gold ein Inflationsschutz?
Oft hört man die Aussage: Wenn Inflation steigt, steigt automatisch auch Gold. So einfach ist es nicht.
Gold schützt nicht automatisch vor jeder Inflation, sondern vor unerwarteter Inflation oder einem Kontrollverlust der Geldpolitik. Wird Inflation moderat gehalten und glaubwürdig bekämpft, läuft Gold häufig seitwärts. Gerät sie außer Kontrolle, zeigt Gold meist zeitverzögert Stärke.
Gold ist keine Renditemaschine
Ein zentraler Punkt wird oft übersehen: Gold hat langfristig eine reale Rendite nahe null. Das ist kein Makel, sondern seine Funktion. Gold erhält Kaufkraft, es vermehrt sie jedoch nicht.
Wer Vermögen aufbauen möchte, braucht produktive Anlagen. Gold ist kein Wachstumswert. Es ist vielmehr eine Art Versicherung gegen extreme Entwicklungen im System.
Deshalb stellt sich weniger die Frage, ob Gold ins Portfolio gehört, sondern wie viel. Aus Sicht der Portfoliotheorie gelten fünf bis maximal zehn Prozent als sinnvoller Anteil. In diesem Rahmen kann Gold Stabilität bringen und helfen, in Krisen investiert zu bleiben. Ein deutlich höherer Anteil kostet langfristig Rendite.
Physisch oder über die Börse in Gold investieren?
Wer in Edelmetalle investieren möchte, hat grundsätzlich zwei Wege: physisch oder über ein börsengehandeltes Produkt wie ein ETC.
Physisches Gold ist unabhängig vom Finanzsystem. In extremen Krisenszenarien kann das ein Vorteil sein. Allerdings bringt es auch praktische Fragen mit sich: sichere Lagerung, Versicherung und mögliche Kosten.
Ein ETC ist dagegen liquide, kostengünstig und leicht handelbar. Er eignet sich gut für das Rebalancing im Portfolio. Allerdings bleibt man hier vom Finanzsystem abhängig. Wichtig ist in Deutschland besonders, auf einen physischen Auslieferungsanspruch zu achten. Nur dann greift nach zwölf Monaten Haltefrist die Steuerfreiheit.
Wann macht Gold wenig Sinn?
Gold ist weniger sinnvoll bei sehr langem Anlagehorizont, hoher Risikotragfähigkeit und klarem Fokus auf Vermögensaufbau. Junge Anleger mit einem hohen Aktienanteil brauchen Gold rechnerisch nicht zwingend. Psychologisch kann es dennoch beruhigend wirken.
Fazit zum Thema Gold als Anlagemittel
Der Boom bei Gold und Silber ist Ausdruck von Unsicherheit, Vertrauensverlust und globalen Spannungen. Gold steigt nicht, weil es produktiver geworden ist, sondern weil Alternativen schwächer erscheinen.
- Gold ist kein Wundermittel.
- Gold ist keine Garantie gegen Verluste.
- Gold ist eine strategische Absicherung gegen extreme Systemrisiken.
Wer investiert, sollte das bewusst tun, nicht aus Angst oder Hype, sondern als durchdachte Beimischung im Portfolio. Gold ist das, was man hoffentlich nie wirklich braucht – aber froh ist zu haben, wenn es ernst wird.





